Digitales Impuls-Café by Luisa Bergholz

JE MEHR AUSWAHL, DESTO BESSER?

Wir leben heute in einer Welt, in der wir unzählige Möglichkeiten haben. Egal ob es darum geht, welche Ausbildung wir machen möchten, welchen Job wir ausüben wollen, wo wir leben möchten und wie, welchen Partner wir haben und in welcher Art von Beziehung wir leben möchten, … oder ob es um Alltagsentscheidungen geht, wie beispielsweise im Supermarkt vor dem 4 Meter langen Pasta-Regal. Das bringt eine unglaubliche (Wahl-)Freiheit mit sich und die Möglichkeit zur ganz individuellen Entfaltung. Kurzum: je mehr Auswahl, desto besser. Oder?

Limitierte Auswahl – limitiertes Glück

Vor 100 Jahren war die Auswahl, die die Menschen hatten, recht begrenzt. Welche Arbeit jemand ausübte, war häufig bestimmt davon, was die Eltern machten oder wo im näheren Umfeld eine Lehrstelle frei wurde. Der Wohnort war meist vorbestimmt von dem Ort, in dem man geboren wurde, und der Verlauf des Lebens war stark vom Skript der Gesellschaft vorgezeichnet. Und auch die Anzahl potenzieller Partner war stark begrenzt auf das nähere Umfeld. Selbstverwirklichung, sinnstiftende Arbeit, Entfaltung – das waren damals eher Fremdwörter bzw. sie waren nur wenigen Menschen vorbehalten.

Überhaupt: Dass wir Menschen unterschiedlich sind und unterschiedliche Bedürfnisse und Geschmäcker haben, wurde lange Zeit vernachlässigt. In seinem TED-Talk über Spaghetti-Soße beschreibt Malcolm Gladwell auf sehr anschauliche Weise, wie der Psychophysiker Howard Moscowitz in den 1970ern erkannte, dass es beispielsweise nicht die eine perfekte Spaghetti-Soße für alle Menschen gibt: Die Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker – manche bevorzugen sie mit Stücken, andere würziger und andere ganz schlicht. Diese Erkenntnis hat die Lebensmittelindustrie revolutioniert. Daher gibt es heute so viele verschiedene Varianten von ein und dem gleichen Produkt. Die Kernaussage von Gladwell in seinem Talk:

„Through embracing the diversity of humans beings, we will find a sure way to true happiness.“
(Indem wir uns auf die Vielfalt der Menschen einlassen, werden wir einen besseren Weg zum wahren Glück finden.)

Malcolm Gladwell

Keine bzw. eine zu begrenzte Auswahl macht uns also nicht glücklich. Im Umkehrschluss müsste also gelten: je mehr Auswahl, desto besser. Aber ist das wirklich so?

Die Qual der Wahl

Egal, ob es um Alltägliches wie Kaffee geht (Art der Bohne, Art der Röstung, Zubereitung, mit oder ohne Zucker, mit oder ohne Soja-/Hafer-/Kuhmilch…) oder um den Studiengang (allein in Deutschland gab es zum Wintersemester 2020/21 über 20.000 verschiedene Studiengänge): Jede von uns hat die Möglichkeit, ihr Leben exakt so zu gestalten, wie sie es möchte.

Damit einher geht jedoch auch eine hohe Erwartungshaltung: Bei den unendlich vielen Optionen, wird ja wohl die eine für Dich perfekte Option dabei sein, oder? Ebenso bringt diese Entscheidungsvielfalt eine hohe Verantwortung mit sich. Denn wenn Dir alle Türen offen stehen und Du frei nach Belieben wählen kannst – wer ist dann am Ende „Schuld“ daran, wenn es nicht perfekt ist und Du Dich nicht jederzeit völlig erfüllt fühlst? Du. Denn Du hättest Dich ja anders entscheiden können, vorher noch besser recherchieren können usw. Und so kann es sein, dass Du zwar eigentlich ganz zufrieden bist mit Deiner Wahl… Du Dich jedoch immer wieder fragst, ob Du mit einer anderen Wahl nicht noch glücklicher gewesen wärest.

Das Paradoxon der Wahlmöglichkeiten

Der Psychologe Barry Schwartz spricht in diesem Zusammenhang vom Paradoxon der Wahlmöglichkeiten. Kurz zusammengefasst: Je mehr Entscheidungsmöglichkeiten wir haben, desto größer ist das Risiko, einen Fehler zu machen. Und umso schwieriger wird es für uns, eine Entscheidung zu treffen. Seiner Meinung nach geht eine hohe Entscheidungsfreiheit daher nicht mit mehr Glück und Zufriedenheit einher, sondern im Gegenteil mit mehr Unzufriedenheit und häufig auch Entscheidungsunfähigkeit.

Mit jedem ja zu einer Option sagen wir automatisch nein zu allen anderen Optionen. Je mehr Auswahl wir haben, desto mehr sagen wir nein zu anderen Optionen. Und dadurch wird die Freude über das, für das wir uns entscheiden, umso geringer, je mehr Alternativen wir dazu gehabt hätten. Denn wir fragen uns im Nachhinein „wäre eine andere Entscheidung nicht besser gewesen…?“.

„Learning to choose is hard. Learning to choose well is harder. And learning to choose well in a world of unlimited possibilities is harder still, perhaps too hard.“

Barry Schwartz

Zur besseren Veranschaulichung hier zwei Beispiele:

Unzufriedenheit durch zu viel Auswahl – Beispiel Jobmöglichkeiten

Nola hat nach ihrem Studium ein Traineeprogramm in einem Großkonzern gemacht, dort viel gelernt und die Aufgaben machen ihr viel Spaß. Nun hat sie das Angebot, dort weiterzuarbeiten. Gleichzeitig hat sie ein Angebot eines anderen Unternehmens vorliegen. Und eigentlich würde sie auch mal gerne erleben, wie es ist, in einem Start-Up zu arbeiten. Sie entscheidet sich nach langem Pro-und Contra-Listen-Schreiben, erst einmal in dem ihr schon bekannten Unternehmen zu bleiben. Wie erwartet macht ihr die Arbeit auch weiterhin Spaß. Sie fragt sich jedoch immer mal wieder, ob sie in dem anderen Unternehmen nicht noch bessere Entwicklungsmöglichkeiten gehabt hätte. Und ob sie in einem Start-Up nicht viel mehr bewegen könnte.

Entscheidungsunfähigkeit – Beispiel Altersvorsorge

Ein Beispiel zur Entscheidungsunfähigkeit zum Thema Altersvorsorge: Jeder von uns weiß wohl, dass Altersvorsorge wichtig ist. Warum kümmern sich trotzdem so viele Menschen nicht proaktiv darum? Ein Grund: Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, und von jeder Möglichkeit wiederum unzählige Varianten. Ohne entsprechendes Fachwissen ist es sehr schwierig, dort überhaupt einen Überblick zu bekommen. Die Gefahr, sich falsch zu entscheiden und sein Geld nicht optimal anzulegen, ist sehr groß. Also machen viele: gar nichts. Und das ist wohl fast das Schlimmste, was man tun kann…

Fazit: Es kommt darauf an

Wahlfreiheit ist gut, jedoch nur zu einem gewissen Maß. Eine sehr große Auswahl ist vor allem dann gut, wenn Du genau weißt, was Du möchtest. Denn dann kannst Du exakt das auswählen, was Du möchtest.

Wenn Du noch nicht so genau weißt, was Du möchtest, hilft es, wenn Du die große Auswahl reduzierst. Du kannst Dir eigene Kriterien bzw. Regeln überlegen, nach denen Du eine Vorselektion machst. Und dann nur aus den übriggebliebenen Alternativen auswählst. Angenommen Du möchtest Dir einen neuen Laptop kaufen. Dann könntest Du Dir in einem ersten Schritt überlegen, wie viel Geld Du bereit bist auszugeben. Alle Laptops, die mehr kosten, brauchst Du dann schon mal nicht mehr betrachten. Ebenso kannst Du weitere Kriterien aufstellen und danach vorselektieren.

Ebenso kann es helfen, wenn Du Dich von einer Expertin beraten lässt. Wenn Du nicht weißt, welche Kriterien beim Kauf eines Laptops überhaupt relevant sind, dann schau in Deinem Bekanntenkreis, ob es dort Experten zu dem Thema gibt, oder lasse Dich in einem Fachgeschäft beraten.

Was ist Deine Meinung?

Welche Erfahrung hast Du mit „Je mehr Auswahl, desto besser“ gemacht? Und wie leicht fallen Dir Entscheidungen?

Schreib mir Deine Gedanken dazu an info@luisabergholz.com!

Ich freue mich auf Deine E-Mail!

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Alle Infos und die kostenlose Anmeldung findest Du >>hier<<.

Quellen

Malcolm Gladwell’s TED-Talk über Spaghetti-Soße
Barry Schwartz über das Paradoxon der Wahlmöglichkeiten: TED-Talk und Buch

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