Digitales Impuls-Café by Luisa Bergholz

IST DAS NOCH COACHING ODER SCHON THERAPIE?

Wenn ich erzähle, dass ich Psychologin bin, dann ist eine typische Reaktion darauf „Ah, spannend! Hast Du dann Deine eigene Therapiepraxis?“. Daraufhin erkläre ich, dass Psychologie ein sehr breites Feld ist, klinische Psychologie nur ein Bereich davon ist (wenn auch der wohl bekannteste) und man für die Psychotherapie nach dem Psychologiestudium noch eine Psychotherapeutenausbildung machen muss[1]. Erst danach ist man psychologischer Psychotherapeut.

Jede psychologische Psychotherapeutin ist auch Psychologin. Aber nicht jede Psychologin ist auch Psychotherapeutin.

Wenn ich dann erzähle, dass ich keine Psychotherapeutin bin, sondern unter anderem als Coach tätig bin, kommt fast immer die Rückfrage: „Was ist denn der Unterschied zwischen Therapie und Coaching?“. Eine gute Frage, der ich hier auf den Grund gehen möchte.

Coaching: konkretes Anliegen, kurzer Zeitraum

Im Coaching arbeiten Coach und Klientin an einem eng umgrenzten Anliegen (Thema). Solche Anliegen können zum Beispiel sein:

  • Gelassener mit schwierigen Kollegen umgehen
  • Sich in der neuen Führungsrolle positionieren
  • Selbstbewusster in Verhandlungen auftreten
  • Eine gute Balance aus Arbeit, Familie und Freizeit finden

Das Anliegen legt die Klientin selbst zu Beginn des Coaching-Prozesses fest, ggf. unterstützt durch den Coach. Der Coach wählt passend zum Anliegen verschiedene Methoden aus und unterstützt die Klientin im Laufe des Coaching-Prozesses darin, das Anliegen zu erreichen. Dabei achtet der Coach auch darauf, dass wirklich nur an diesem Anliegen gearbeitet wird. Wenn die Klientin immer wieder auf ein anderes Thema eingeht, spricht er dies explizit an und klärt mit ihr ab, ob sie das Anliegen ändern möchte.  

Durch das konkrete Anliegen, an dem Klientin und Coach arbeiten, ist der Zeitraum für den Coaching-Prozess automatisch begrenzt. Normalerweise sind das nicht mehr als zehn Coaching-Sitzungen. Wie so ein Coaching abläuft, erfährst Du auch hier.

Therapie: umfassenderes Anliegen, längerer Zeitraum

In einer Therapie geht es in der Regel um Anliegen, die weniger klar umgrenzt sind. Sie betreffen meist mehrere oder alle Lebensbereiche des Klienten. Das können psychische Störungen wie eine Depression, eine Essstörung, eine Angststörung, eine Persönlichkeitsstörung oder eine Drogenabhängigkeit sein. Alle psychischen und Verhaltensstörungen sind in der ICD-10 Klassifikation aufgeführt[2].

Eine Therapie ist auch hilfreich bei einer sogenannten akuten Anpassungsstörung. Anpassungsstörungen sind psychische Reaktionen auf Belastungssituationen, z. B. Tod einer nahestehenden Person, Trennung, Heirat, Geburt, Arbeitslosigkeit, Umzug oder Überfall. Diese psychischen Reaktionen können ganz unterschiedlich sein: Grübeln, depressive Verstimmung, Leere-Gefühl, Angst, geändertes Sozialverhalten usw.

Im Laufe der Therapie lernt der Klient Strategien zum Umgang mit seiner psychischen Störung. Eine Psychotherapie dauert in der Regel deutlich länger als ein Coaching. Meist sind es 25 bis 45 Sitzungen, in der analytischen Psychotherapie zum Beispiel sind es mit etwa 160 Sitzungen sogar deutlich mehr.

Ausführlichere Infos rund um Psychotherapie, die Suche nach einer Psychotherapeutin, Ablauf oder Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung findest Du zum Beispiel beim Psychotherapie-Informationsdienst (PID).

Coaching und Therapie auch parallel möglich

Es ist grundsätzlich möglich, dass ein Klient zeitgleich zu einer Therapie ein Coaching zu einem konkreten Anliegen macht. Beispielsweise eine Therapie zu einer Anpassungsstörung in Folge einer Trennung und ein Coaching zum selbstbewussteren Auftreten in Vorstellungsgesprächen.

Wenn die Coach vermutet, dass der Klient an einer psychischen Störung leidet, sollte sie dies ansprechen. Solange sie keine Zulassung als Psychotherapeutin hat, darf sie mit ihm nicht an dieser psychischen Störung arbeiten. Stattdessen sollte sie ihn an eine Psychotherapeutin vermitteln, wenn er dies möchte.


Übersicht Unterschiede zwischen Coaching und Therapie


Hast Du Fragen zu dem Thema oder bist unsicher, ob Coaching das Richtige für Dich ist? Schreib mir eine E-Mail oder vereinbare ein kostenloses Kennenlerngespräch mit mir.

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[1] Mit der Reform der Psychotherapeutenausbildung ist es ab 2020 möglich, direkt nach dem Abitur ein Universitätsstudium der Psychotherapie zu absolvieren.
Weitere Personengruppen, die Psychotherapie ausüben dürfen: Ärzte mit entsprechender Zusatzqualifikation und Heilpraktiker mit psychotherapeutischer Ausbildung.
[2] ICD steht für Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme; die 10 für die 10. Revision.

Photo by Anthony Tran on Unsplash

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